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Schwarzer Haufen

Schwarzer Haufen

Die kontrovers geführten Diskussionen um politische, religiöse und kulturelle Orientierungen in den jüdischen Bünden während der ausgehenden 20er Jahre führten zu neuen Spaltungen und Fraktionierungen. Besonders im Deutschjüdischen Wanderbund Kameraden bildeten sich Zirkel verschiedener Orientierung. Der Gau Nord-Ost prägte einen sehr eigenen ästhetisch-politischen Stil, in dem sich verschiedene Zeitgeistströmungen scheinbar gegenläufiger Richtungen zu einem sehr individuellen subkulturellen Milieu verdichteten. Charismatischer Führer wurde Max Fürst; Hans Litten inspirierte seine Jugendgruppen geistig. Mit Bezug auf die Bauernaufstände nannte sich der Gau "Schwarzer Haufen". Durch ihren steigenden Einfluss im Gesamtbund gewannen Litten und Fürst an bundesinterner Autonomie; eine eigene Zeitschrift wurde herausgegeben. Im Schwarzen Haufen wurden linke Freideutsche Traditionen, z.B. Alfred Kurellas, aufgegriffen. Die Dichtung Stefan Georges, Hölderlins und Dantes bildete für Littens ästhetizistische Kunstanschauung eine Einheit mit der Musik klassischer Komponisten und den Werken bildender Kunst der Moderne. Die Jungen und Mädchen wurden zur Opposition gegen Eltern und Schule angehalten. Lebensreformerische Entwürfe praktizierten die Gruppen in kommuneähnlichen Wohngemeinschaften, FKK und vegetarischer Lebensführung. Nikotin und Alkohol wurden ebenso abgelehnt wie die bürgerliche Sexualmoral, was den Bund zum skandalträchtigen Objekt heftiger Kritik werden ließ. Politisch engagierte sich Litten trotz seiner anarchischen Philosophie für die Republik. Der Schwarze Haufen prägte eine Art jugendbewegten Individual-Kommunismus aus, der dem ISK Leonard Nelsons nahekam. Den Mitgliedern war das Bekenntnis zur KPD freigestellt, was zum Beitritt von Marxisten aus dem JJWB führte. Der wachsende Einfluss des Schwarzen Haufens und seine Kritik am Gesamtbund führte 1927 schließlich zum Ausschluss aus den Kameraden. Ein Jahr später erfolgte die Auflösung und viele Mitglieder schlossen sich der Kommunistischen Partei an.

Bodo Mrozek

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Letzte Aktualisierung dieser Seite erfolgte am: 01.02.2005