|
Hechaluz
Der Hechaluz ("Der Pionier") bestand seit 1917 als zionistische Weltorganisation. Ein deutscher Landesverband gründete sich 1922. Er bildete
einen Dachverband mit der Hauptaufgabe der Organisierung von Alijah und Hachschara (Einwanderung nach Palästina und deren Vorbereitung durch landwirtschaftliche Ausbildung). Seit seiner Gründung identifizierte sich der
Hechaluz mit den Zielen der Erez-israelischen Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung. Um die Auswanderung nicht zu gefährden, sollte politische Neutralität weitgehend gewahrt werden. Dennoch wurden die Diskussionen in der
Zeit der Weimarer Republik von Fragen des Verhältnisses zwischen Bund und (Arbeiter-)Parteien, des Führerprinzips und der "Revolutionierung" des jüdischen Lebens bestimmt. Der Landauersche Sozialismus wurde
propagiert; und Einflüsse Bubers wurden erörtert. Die Frage des KPD-Beitritts blieb ebenso umstritten, wie die Forderung nach politischer Jugendbewegung.
Mit der Aufhebung der Palästinasperre rückte die Aufgabe der
Verteilung von Einwanderungszertifikaten wieder in den Mittelpunkt. Innerhalb des Jahres 1929 waren 150 Jungen und Mädchen ausgewandert.
Nach 1933 entwickelte sich der Hechaluz zur größten
Organisation der jüdischen Jugend mit zeitweise 15000 Mitgliedern, wobei jedoch Doppelmitgliedschaften zu berücksichtigen sind. Die Jugendbünde dominierten den Hechaluz vor allem in den Führungspositionen. Zwischen 1933 und 1936 wurden 7000 Menschen nach Palästina geschickt. 1936 bezifferte die Bundesleitung die Mitgliederzahl mit 8000, von denen 4000 in fast 100 Gruppen organisiert waren.
Nach der Auflösung der jüdischen Jugendbünde im November 1938 mußte der deutsche Hechaluz in der Abteilung I des Palästinaamtes aufgehen. Nun wurde die Alijah zur letzten Rettung und konnte in
dieser Zeit sogar die Freilassung von bereits im KZ Dachau Internierten bewirken. Bis zur Auflösung des Palästinaamtes 1941 und dem Verbot der Auswanderung im Oktober desselben Jahres stieg der Andrang zur Auswanderung
drastisch an. Der Übergang zur illegalen Auswanderung blieb bis zuletzt umstritten. Der letzte Leiter des Palästinaamtes, Alfred Selbiger, wurde im November 1942 erschossen, viele Hechaluz-Führer wurden ins Getto
Theresienstadt verschleppt. Die ausländischen Zentralen des Hechaluz blieben für illegal auswandernde Juden eine wichtige Anlaufstelle, so auch für den Chug Chaluzi.
Bodo Mrozek
Zurück
|