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Habonim
Im Februar 1933 beschlossen die jüdischen Jugendbünde Brit Haolim und Kadima unter dem Eindruck der Regierungsübernahme der NSDAP zu fusionieren. Seitdem sich der Kadima ("Ostwärts/Vorwärts") zum sozialistischen Zionismus bekannt hatte, gab es kaum noch Unterschiede zum
Brit Haolim (Bund der Aufsteigenden). Im Brit Haolim wurde ein religiöser Sozialismus propagiert, in dem Landauer und Marx als prophetische Wiedergeborene alter jüdischer Forderungen erschienen. Das
National-Judentum im eigenen Staat war das durch Erziehung zum Chaluz zu verwirklichende Ideal. Im neuen Bund setzte sich dieses Erziehungsziel durch, der Poel, der einfache Arbeiter am Aufbau Palästinas, diente als
Vorbild. Der neue Name des Zusammenschlusses war Habonim Noar Chaluzi - Hanoar Haoved al Schem Trumpeldor, doch wurde es beim kurzen Habonim (Bauleute - Chaluzische Jugend) belassen. Im übergeordneten Verband Hechaluz war der Habonim einflussreich.
Im Bund gab es ein relativ ausgewogenes Geschlechterverhältnis von fast 1:1. 1933
zählte er 2312 Mitglieder, 1936 waren es 5100, von denen sich fast 1000 auf Hachschara befanden. Im Habonim wurde, wie in den meisten Bünden, eine Kluft getragen. Es fanden Schulungen und Seminare statt, z.B.
über politische Theorie. Zu Fragen der Pädagogik gab es Auseinandersetzungen, zu Sexualerziehung und der tabuisierten, für die Jugendbünde jedoch vielfach wesentlichen Rolle der Homosexualität, Stellungnahmen. Am 1.Mai
1933 demonstrierten Bundesmitglieder gemeinsam mit der SPD in Berlin und noch bis 1937 hielt der Habonim Maifeiern im Wald bei Berlin ab. Die politischen Bemühungen richteten sich jedoch auf Palästina. So
musste sich der Bund unter dem politischen Druck vom spielerisch-freien, ungleich weniger ernsten Wesen der deutschen Jugendbewegung verabschieden und proklamierte 1935 den Weg der "kämpfenden, politisch-erzieherischen Jugendbewegung", wenn auch der Abschied von der alten Jugendbewegung wehmütig beklagt wurde.
Bei der gewalttätigen Auflösung der jüdischen Bünde im November 1938 blieb für die Jugendbündler nur noch der Weg in noch bestehende Hachschara-Zentren, die Gliederungen des Palästinaamtes und die Hoffnung
auf eine schnelle Auswanderung.
Bodo Mrozek
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